mobile navigation

Teil II: Mesozoikum / Erdmittelalter

Im Unterschied zur känozoischen Lockergesteinsdecke sind die mesozoischen Deckschichten in der Regel diagenetisch verfestigt. Durch Krustenbewegungen können die ursprünglich horizontalen Schichten tektonisch schräg- oder steilgestellt sein. Der Gesteinsverbund ist durch ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Trennflächengefüge, bestehend aus Schichtfugen, Klüften und Verwerfungen, charakterisiert. Erst mit zunehmender Technisierung bei der Gewinnung und Aufbereitung konnten mesozoische Rohstoffe aus Kreide, Jura und Trias in der Ziegelindustrie eingesetzt werden.

Wealdenschiefer der Unteren Kreide/Hilsmulde (2006)
Wealdenschiefer der Unteren Kreide/Hilsmulde (2006)
Replastifizierter Ton des Unteren Jura/Oberfranken (2014)
Replastifizierter Ton des Unteren Jura/Oberfranken (2014)
Tongesteinsfolgen der Oberen Trias/Raum Nürnberg (2014
Tongesteinsfolgen der Oberen Trias/Raum Nürnberg (2014

Die Transformation von plastischem Ton zu festem Tonstein/Schieferton ist mit einer Reduzierung des Porenraumes und des Wassergehaltes verbunden. Mit zunehmendem Diagenesegrad wird auch Adsorptionswasser und partiell Zwischenschichtwasser der Tonminerale ausgetrieben. Smektite gehen in Mixed-Layer-Minerale über, die Kristallinität der Glimmerminerale (Illite) steigt. Durch Verwitterungsprozesse können diese Vorgänge oberflächennah wieder revidiert werden (Replastifizierung). Mit zahlreichen Standorten stellt das Mesozoikum heute die wichtigste Rohstoffquelle für die Mitteldeutsche Ziegelindustrie dar.

Kreide (vor 65,5 – vor 145,0 Mio. J.)

Die Sedimente der Kreide sind überwiegend marin entwickelt. In der Oberkreide wurden vor allem Mergel und Kalke sedimentiert. In der Unterkreide dagegen überwiegend Tone und Sande. Die Verbreitungsgebiete liegen hauptsächlich im Münsterland und im Raum Hannover sowie im niedersächsischen Bergland.

Deltasande mit eingeschalteter Braunkohle/Hilsmulde (2014)
Deltasande mit eingeschalteter Braunkohle/Hilsmulde (2014)
Nördlichster Steinzeugton Deutschlands/Hilsmulde (2014)
Nördlichster Steinzeugton Deutschlands/Hilsmulde (2014)
Einzig gelbbrennender Ton Niedersachsens/Hilsmulde (2014)
Einzig gelbbrennender Ton Niedersachsens/Hilsmulde (2014)

Nachdem das Meer weitgehend zurückgewichen war, verblieb das Niedersächsische Becken mit typischen Brackwassersenken. Diese wurden vom Mitteldeutschen Festland her mit Deltasedimenten gefüllt. Die sich nach Norden vorschiebenden Deltakegel waren zum Teil mit Sumpfwäldern bestockt. Hieraus haben sich Kohleflöze gebildet. Im Beckenzentrum kamen dunkle Tone in Mächtigkeiten von bis zu 1000 Metern zum Absatz. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, wie etwa den Vorkommen bei Buldern, Rietberg, Lüdinghausen, Waltrop oder Quedlinburg, sind/waren für die Ziegelindustrie vor allem die Vorkommen der Unterkreide von Bedeutung.

Paläogeographie in der Unterkreide / Quelle: Meschede (2015)
Paläogeographie in der Unterkreide / Quelle: Meschede (2015)

Tongesteine der Unterkreide (Typ 15)

Die Tongesteine der Unterkreide sind durch hohe Tonkorn- und Kohlenstoffgehalte charakterisiert. Aufgrund ihrer plattigen Struktur werden sie auch als Wealdenschiefer bezeichnet. Die Tonmineralparagenese wird von Fireclay und expansiven Dreischichtsilkaten dominiert. Hieraus resultiert eine ausgesprochen hohe Bildsamkeit, aber auch eine hohe Trocknungs- und Aufheizsensibilität. In Konsequenz dieser Eigenschaften wurden viele Ziegelwerke geschlossen, das letzte im Jahr 2010. Zwei Werke produzieren unter Verzicht auf den eigenen Ton mit externen Rohstoffen weiter. Derzeit wird Unterkreideton in Duingen abgebaut und in die Dachziegelindustrie geliefert.

Tonabbau mit Eimerkettenbagger/Hilsmulde (um 1950)
Tonabbau mit Eimerkettenbagger/Hilsmulde (um 1950)
Tonverladung für Ziegelwerke/Hilsmulde (um 1975)
Tonverladung für Ziegelwerke/Hilsmulde (um 1975)
Produktion von Steinzeugröhren/Hilsmulde (um 1980)
Produktion von Steinzeugröhren/Hilsmulde (um 1980)
Abfuhr in Pferdeloren/Weser-Ems-Geest (Foto: ABC Klinker)
Abfuhr in Pferdeloren/Weser-Ems-Geest (Foto: ABC Klinker)
Trockenschuppen/Weser-Ems-Geest (Foto: ABC Klinker)
Trockenschuppen/Weser-Ems-Geest (Foto: ABC Klinker)
Brennen im Ringofen/Weser-Ems-Geest (Foto: ABC Klinker)
Brennen im Ringofen/Weser-Ems-Geest (Foto: ABC Klinker)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Alb: 

Algermissen, Altwarmbüchen, Arpke, Börßum, Farmsen, Salzdahlum, Schwichelt, Stedum.

 Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Apt: 

Bekum, Sarstedt, Vöhrum.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Barreme: 

Börßum-I, Hannover/Berenbostel, Groß Lafferde, Hoheneggelsen.

 Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Hauterive: 

Braunschweig/Moorhütte, Hannover/Engelbostel, Hannover/Hainholz, Hannover/Stöcken, Haste, Neustadt am Rübenberge, Petershagen, Resse, Roklum, Westerberg.

 Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Valangin: 

Bentheim, Diepenau, Sachsenhagen, Schüttorf/Suddendorf, Stadhagen, Wiedenbrügge.

 Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Wealden: 

Brunkensen, Coppengrave, Delligsen, Duingen-I (Dörentrup), Duingen-II (Waje), Hohenbüchen, Osterwald, Wiedenbrügge.

 Lokalitäten/Ziegeleistandorte, ungegliedert:

Braunschweig/Moorhütte, Wolfenbüttel/Fümmelse, Salzgitter/Thiede, Stemwede/Niedermehnen, Werlaburgdorf.

Jura (vor 145,0 – vor 201,3 Mio. J.)

Im Verlauf des oberen Jura (Malm) zog sich das Meer auf das niedersächsische Becken zurück. In weiten Teilen des Beckens wurden Karbonate sedimentiert, die durch Diagenese zu sehr harten Mergel- und Kalksteinen (Korallenoolith) verfestigt wurden. Nach Westen gehen die Karbonate faziell in harten Sandstein (Wiehengebirgsquarzit) und festen Schieferton über.

Der Mittlere Jura (Dogger) war ganz überwiegend marin geprägt. Weite Teile Skandinaviens und Teile Böhmens sowie die Rheinische Insel blieben jedoch Festland. Mächtige Serien von dunklen, meist kohlenstoffreichen Tonen, wurden abgelagert. Charakteristisch sind hohe Eisengehalte, die lagenweise in Form von Toneisensteingeoden angereichert sind. Ab dem Dogger Beta kam es zu bedeutenden Sandschüttungen.

Im Unteren Jura (Lias) überflutete ein Schelfmeer weite Teile Nordwest- und Süddeutschlands. Dabei wurden dunkle Tone und Tonmergel abgelagert. In schlecht durchlüfteten Meeresbereichen kam es durch bakterielle Reduktion von Sulfat zur Bildung von Schwefelwasserstoff und zur Fällung von Eisensulfiden, meist in Form von Pyrit. In anoxischem Milieu gelangte organische Substanz ins Sediment.

Paläogeographie im Malm / Quelle: Meschede (2015)
Paläogeographie im Malm / Quelle: Meschede (2015)

Paläogeographie im Dogger / Quelle: Meschede (2015)
Paläogeographie im Dogger / Quelle: Meschede (2015)

Paläogeographie im Lias / Quelle: Meschede (2015)
Paläogeographie im Lias / Quelle: Meschede (2015)

Tongesteine des Malm (Typ 16)

An der Nordflanke des Wiehengebirges stehen Schiefertongruben aus der Zeit des Kimmeridge im Abbau. Sie werden für die Klinkerherstellung verwendet. Die Schichtenfolgen sind diagenetisch stark verfestigt und durch Einschaltungen von harten quarzitischen Sandsteinlagen gekennzeichnet. Genetisch handelt es sich um typische Beckenrandsedimente. Der Schieferton selbst ist weitgehend frei von störenden Verunreinigungen und kann über Abbauhöhen von rund 20 Metern auch im unverwitterten Zustand verarbeitet werden. Aus der starken diagenetischen Verfestigung resultiert jedoch ein hoher Aufbereitungsaufwand.

Schiefertone des Kimmeridge/Kalkrieser Berg (2014)
Schiefertone des Kimmeridge/Kalkrieser Berg (2014)
Basale Deltasequenzen im Oxford/Gehn (2009)
Basale Deltasequenzen im Oxford/Gehn (2009)
Kontaktmetamorphe Schichtfolge/Gehn (2004)
Kontaktmetamorphe Schichtfolge/Gehn (2004)

Bei Bramsche/Ueffeln steht als Top mächtiger Deltasande ein großes Schiefertonvorkommen im Abbau. Es handelt sich um Gesteine des Oxford, die durch den unterlagernden Bramscher Pluton kontaktmetamorph überprägt wurden. Durch zirkulierende hydrothermale Lösungen ist primärer Kaolinit in Pyrophyllit umgewandelt worden. Es ist der einzige pyrophyllitische Schieferton in ganz Deutschland. In Bezug auf das Ausgasungsverhalten und die Feuerstandsfestigkeit weist der Schieferton weit überdurchschnittliche Eigenschaften auf. Er wird als Zusatzton in der Klinkerindustrie eingesetzt.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Kimmeridge:

Bramsche/Achmer-I (Feldhaus), Bramsche/Achmer-II (Büchter), Ostercappeln/Kalkrieser Berg

 Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Oxford: 

Bramsche/Ueffeln.

Tongesteine des Dogger (Typ 17)

Tongesteine des Dogger sind vor allem in Nordwest- und Süddeutschland verbreitet. Schwerpunkte liegen am Nordrand der Mittelgebirge sowie in der weitgestreckten, aber schmalen Ausstrichzone der fränkischen und schwäbischen Alp. Die Tonmineralparagenese wird von Illit/Glimmer dominiert und ist durch hohe Sinteraktivität gekennzeichnet. Während im Hintermauerziegelsektor auch die unverwitterten Schichten verwendet werden können, sind andere Anwender auf den Einsatz des Verwitterungshorizontes beschränkt. Dadurch kann nur ein Bruchteil des Tonpotenzials genutzt werden. Die Verwitterungshorizonte stellen begehrte Rohstoffe für Klinker- und Dachziegelwerke dar.

Stilvoll wird die Tradition gepflegt/Ostwestfalen (2010)
Stilvoll wird die Tradition gepflegt/Ostwestfalen (2010)
Gipsformen für hochwertige Dachkeramik/Ostwestfalen (2010)
Gipsformen für hochwertige Dachkeramik/Ostwestfalen (2010)
Tone des Dogger: Und ewig lebt das Dach/Ostwestfalen (2010)
Tone des Dogger: Und ewig lebt das Dach/Ostwestfalen (2010)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Dogger: 

Bad Essen/Wehrendorf, Büttendorf, Freihungsand, Hasbergen, Hollage, Hüllhorst/Bröderhausen, Oberbauerschaft, Ostercappeln/Haaren, Pente, Sehnde, Troschenreuth, Velpe, Vilseck, Volkmarsdorf, Wallenhorst, Westerkappeln/Schierberg

Tongesteine des Lias (Typ 18)

Tongesteine des Lias sind in Nordwest- und Süddeutschland weit verbreitet. Große Liasgebiete liegen vor allem in geologischen Muldenstrukturen, wie etwa in der Bielefeld-Herforder-Liasmulde, im Gebiet des Elm-Lappwaldes oder im Markoldendorfer Becken. Auch in tektonischen Gräben können Liasschollen reliktisch erhalten sein, wie etwa die Göttinger Vorkommen im Leinetalgraben. Große Gebiete befinden sich auch in den Ausstrichzonen der fränkischen und schwäbischen Alp. Wie auch im Dogger ist die Verwendbarkeit für höherwertige Produkte maßgeblich von dem Grad der Verwitterung und den damit verbunden Veränderungen im Stoffbestand abhängig. Der Haupteinsatz liegt im Bereich Klinker und Dachziegel.

Aufschluss Grenze Lias/Keuper/Oberfranken (2014)
Aufschluss Grenze Lias/Keuper/Oberfranken (2014)
Aufschluss in den Arietenschichten/Dassel (2007)
Aufschluss in den Arietenschichten/Dassel (2007)
Kampagne in der Verwitterungszone/Dassel (2007)
Kampagne in der Verwitterungszone/Dassel (2007)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Pliensbachium:

Bardüttingdorf, Bielefeld/Altenhagen, Bielefeld/Jöllenbeck-Belzmühle, Bielefeld/Jöllenbeck-Beukenhorst I-II, Bielefeld/Jöllenbeck-Bodenheide, Bielefeld/Jöllenbeck-Dreeke, Bielefeld/Jöllenbeck-Ringsthof, Bielefeld/Jöllenbeck-Westerengerstraße I-II, Bielefeld/Sudbrack, Ennigloh, Holsen/Bünde, Pödinghausen, Unterstürmig, Velpe, Wallenbrück, Werther.

 

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Hettangium:

Dassel/Wellersen, Göttingen (Levin), Göttingen/Rosdorf-I (Meurer), Göttingen/Rosdorf-II (Hente & Spiess), Göttingen/Rosdorf-III (Meurer), Großheirath, Großbellhofen, Helmstedt (Lehrmann), Mackendorf, Parensen, Wefensleben.

 

Lokalitäten/Ziegeleistandorte, ungegliedert:

Baddeckenstedt/Oelber, Eisenach/Stregda, Fischbeck, Harderode, Hesslingen, Hessisch Oldendorf/Fuhlen, Hottenrode, Malsch, Marloffstein, Melle/Buer, Mistelgau, Osnabrück/Hellern, Ostercappeln/Haaren, Riemsloh, Schöppenstedt (Hantelmann), Vehrte, Warburg/Bonenburg.

Trias (vor 201,3 – vor 252,2 Mio. J.)

Die Gesteine der Trias bedecken den gesamten mittleren Teil Deutschlands. Zu dieser Zeit bildete die osteuropäische Plattform ein stabiles Festland. Das Gebiet von Mitteleuropa erlebte dagegen episodische Transgressionen und wurde von den Randmeeren der Tethys bedeckt. Die Ablagerungen der germanischen Fazies weisen eine charakteristische Dreigliederung in Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper auf. Die Ablagerungen des Buntsandstein und Keuper sind für die Ziegelindustrie von wichtiger Bedeutung.

Tonmergelsteine des Keuper/Leinetalgraben (2008)
Tonmergelsteine des Keuper/Leinetalgraben (2008)
Grenze Röt/Muschelkalk/Eggegebirge (2013)
Grenze Röt/Muschelkalk/Eggegebirge (2013)
Halde im Buntsandstein/Osnabrücker Land (2012)
Halde im Buntsandstein/Osnabrücker Land (2012)

Tongesteine des Oberen Keuper/Rhät (Typ 19)

Der Übergang zu den dunklen Tongesteinen des Lias wurde bereits mit den brackisch-marinen Schichten des Oberen Keuper eingeleitet. Die meist dunklen Tonsteine und hellgrünen Sandsteine sind Ablagerungen eines Flachmeeres, das von Norden her bis nach Süddeutschland vorstieß und im Osten bis zur Oder reichte. Charakteristisch sind Bonebeds (Lesedecken mit Knochen von Land- und Meerestieren im Flachwasser).

Exploration für Hintermauerziegel/Eggegebirge (2007)
Exploration für Hintermauerziegel/Eggegebirge (2007)
Winterliche Rhätbemusterung/Oberfranken (2013)
Winterliche Rhätbemusterung/Oberfranken (2013)
Reliktisches Trennflächengefüge/Oberfranken (2009)
Reliktisches Trennflächengefüge/Oberfranken (2009)

Die Schichten des Rhät streichen vor allem an der Südflanke des Wiehengebirges, an der Ostflanke des Eggegebirges und im Bereich der Fränkischen und Schwäbischen Alp aus. Sie sind durch hohe Tonmineralgehalte gekennzeichnet. In oberfränkischen Gruben ist der Rhät tiefgründig verwittert und replastifiziert. Er weist ausgeprägte Bildsamkeit und eine zum Teil hohe Trockenschwindung auf. Die Tonmineralparagenese kann je nach geologischer Position von Illit, Kaolinit oder Smektit dominiert sein. Der Einsatz liegt als Basiston oder Zusatzstoff im Bereich Mauer- und Dachziegel.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte:

Creußen, Extertal, Großheirath, Pechgraben, Warburg/Bonenburg.

Tongesteine des Mittleren Keuper (Typ 20)

Bunte Sedimentfarben leiten zum Mittleren Keuper, der zweiten stärker kontinental beeinflussten Periode der deutschen Trias über. Seichte Gewässer, in Form kurzzeitiger Transgressionen oder vergänglicher Seen nahmen größere Flächen ein. Bunte Siltsteine mit unterschiedlich hohem Tonmineralanteil bilden die Hauptmasse der feinklastischen bis salinaren Sedimente. Im oberen Teil des Mittleren Keuper sind mächtige Wechselfolgen von bunten Tonmergelsteinen und hellen Steinmergelbänken zum Absatz gekommen.

Einsatz der Roten Wand bis Ende 2011/Leinetalgraben (2008)
Einsatz der Roten Wand bis Ende 2011/Leinetalgraben (2008)
Horizontalschichtung der Roten Wand/Raum Nürnberg (2014)
Horizontalschichtung der Roten Wand/Raum Nürnberg (2014)
Moderne Dachziegelproduktion/Raum Nürnberg (2014)
Moderne Dachziegelproduktion/Raum Nürnberg (2014)

Der Steinmergelkeuper wird von fluviatilen Sanden unterlagert. Darunter folgen bis zu 40 Meter mächtige Ton- und Tonmergelsteinserien der Roten Wand. Eingeschaltet sind Steinmergelbänke/Lehrbergbänke. Die Tonmineralparagenese kann zum Teil von innerkristallin quellfähigen Chlorit-Smektit-Wechsellagerungen (Corrensit) dominiert werden, woraus eine hohe Trockenrissempfindlichkeit resultiert. Die Schichten der Roten Wand werden als Grundrohstoffe in der Dachziegelindustrie eingesetzt. Zur Steigerung der Bildsamkeit müssen sie durch plastische Zusatztone ergänzt werden. Bei der Gewinnung fallen große Mengen Abraum an.

Unter festländischen Bedingungen kam es zur Ablagerung des bis zu 50 Meter mächtigen Schilfsandstein, der als Stillwasserfazies (Ton) oder als Rinnenflutfazies (Sand) ausgebildet ist. Das wichtigste Vorkommen ist die Lagerstätte am Roten Berg südlich von Mühlhausen/Thüringen. Bei geschickter Abbauführung kann der Schilfsandstein ohne externe Zusatzrohstoffe als Dachziegelrohstoff verwendet werden. Lediglich lösliche Sulfate sind durch deutliche Mengen an Bariumkarbonat unschädlich zu machen.

Evaporit-Playa-Milieu im Mittleren Keuper / Quelle: Meschede (2015)
Evaporit-Playa-Milieu im Mittleren Keuper / Quelle: Meschede (2015)

Die Basis des Mittleren Keuper wird wieder von feinklastischen bis salinaren Sedimente gebildet. In ihrem tieferen Teil enthalten sie hohe Gehalte an Gips, woraus sich der Name Gipskeuper ableitet. Durch Eindampfung des Meerwassers in einem Evaporit-Playa-Milieu wurden bis zu 15 Meter mächtige Grundgipsschichten sedimentiert. Darüber kamen mächtige bunte Tongesteinsserien zum Absatz. Diese werden bei der Herstellung von Hintermauerziegeln eingesetzt.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Steinmergelkeuper (km4):

Gröningen.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte in der Roten Wand (km3): 

Friedland, Langenzenn-I (Walther), Langenzenn-II (Wienerberger), Neustadt/Aisch.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Schilfsandstein (km2): 

Altengottern, Bollstedt, Höngeda, Mittelhausen, Unsleben.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Gipskeuper (km1): 

Apolda, Erfurt/Gispersleben, Schlewecke, Schöppenstedt/Sambleben.

Tongesteine des Unteren Keuper (Typ 21)

Der Untere Keuper wurde in einem flachmarin-lagunär-brackischen Meeresteil abgelagert. Dem ständigen Wechsel im Ablagerungsmilieu entspricht die Vielfalt der Gesteine. Helle Dolomit- und Kalksteinbänke gelten als Ablagerungen von Meeresvorstößen, die schwarzgrünen Ton- und Mergelsteine als brackische und limnische Absätze eines riesigen Stromdeltas. Die ebenfalls in das Delta eingeschwemmten Sande enthalten häufig Pflanzenreste und gelegentlich unreine Kohlen. Daher auch die Bezeichnung Lettenkohlenkeuper. Aufgrund der petrographischen Inhomogenitäten wird der Untere Keuper nicht mehr in der Ziegelindustrie verwendet.

Geologischer Horst/Elm (1987)
Geologischer Horst/Elm (1987)
Letzte Bohrkampagne/Elm (1987)
Letzte Bohrkampagne/Elm (1987)
Wissenschaftliche Studien/Elm (1989)
Wissenschaftliche Studien/Elm (1989)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte:

Buttelstedt, Buttstädt, Erfurt/Bischleben, Gotha, Greußen, Hohenebra, Mönchholzhausen, Neudietendorf, Niedertopstedt, Straußfurt, Schöningen, Sömmerda, Sottrum, Reisdorf.

Tongesteine des Oberen Buntsandstein/Röt (Typ 22)

Zur Zeit des Buntsandstein passierte Europa den Wüstengürtel. Das Germanische Becken füllte sich mit dem Verwitterungsschutt der umgebenden variszischen Hochgebirge, auf denen lateritische Verwitterung vorherrschte. Im Oberen Buntsandstein/Röt wurde das Germanische Becken vom offenen Meer im Norden abgetrennt. Hierdurch kam es zur Bildung von Karbonaten und Sulfaten bis hin zur Bildung von Steinsalz. Die Tone sind durchweg kalkhaltig und gehen mit fliesendem Übergang in Tonmergel und Mergel über. Hierin deutet sich bereits der Wechsel in der Sedimentation an. Das Röt ist ein Übergangsglied zum Muschelkalk. Die Tongesteine des Röt werden bei der Mauerziegel- und in der Dachziegelproduktion eingesetzt. Karbonate können problematisch sein.

Vorbildliche Gewinnung/Eggegebirge (2013)
Vorbildliche Gewinnung/Eggegebirge (2013)
Ehemalige Ziegelei/Odenwald (2007)
Ehemalige Ziegelei/Odenwald (2007)
Restaufschluss mit Gips/Eichsfeld (1988)
Restaufschluss mit Gips/Eichsfeld (1988)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte:

Bad Berka, Brattendorf, Buchen Hainstadt, Deuna, Dosdorf, Dransfeld/Löwenhagen, Ebergötzen/Hölle, Eisenberg-I, Emmendingen, Königsaue, Michelstadt, Niederaula, Themar, Traßdorf, Schalkau, Schenklengsfeld, Volkmarsen, Warburg/Bonenburg, Wenigentaft, Wogau.

Tongesteine des Mittleren Buntsandstein (Typ 23)

Der Mittlere Buntsandstein war die erste stark kontinental geprägte Periode der Trias. Verglichen mit dem Keuper war der Sedimentationsraum enger und steiler. Breite Sandfächer schoben sich von den Küsten her in das flache Lagunenmeer vor. Dabei ist eine zyklische Ablagerung der Sedimente, von grob- zu feinklastisch erkennbar. Vier große Hauptschüttungen mit Sand an der Basis und Silt/Ton am Top gliedern den Mittleren Buntsandstein in einzelne Formationen auf (Volpriehausen, Detfurt, Hardegsen, Solling).

Tongesteine des Mittleren Buntsandstein werden in der Dachziegelindustrie als Grund- und Zusatzstoffe eingesetzt. Sie dienen als Stützkorn zur Optimierung des Kornbandes und Trocknungsverhaltens. Im Hinblick auf den Brennprozess ist das weitgehende Fehlen von organischem Kohlenstoff ein wesentlicher Vorteil. Als Basisrohstoffe müssen sie mit plastischen Tonen kombiniert werden. Aufgrund der diagenetischen Verfestigung und der Gefahr von Kalkabsprengungen werden sie zum Teil trocken aufbereitet.

Paläogeographie im Buntsandstein / Quelle: Meschede (2015)
Paläogeographie im Buntsandstein / Quelle: Meschede (2015)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte:

Baalberge, Eisenberg-II, Großbodungen, Niederorschel, Ortenberg, Sondershausen, Wartenberg/Angersbach.

Tongesteine des Unteren Buntsandstein (Typ 24)

Der Untere Buntsandstein bildet den Ausklang der Eindampfungsepoche des Zechstein. Das Klima war wärmer und trockener als im Mittleren Buntsandstein. Das Profil setzt sich aus zyklischen Wechselfolgen von gröberklastischen und feinklastischen Bildungen zusammen. Die Randfazies ist durch fluviatile Konglomerate und Sandsteine gekennzeichnet. Für das Beckeninnere sind brackische bis salinare Siltsteine, zum Teil mit Einschaltungen von Karbonaten und Sulfaten bezeichnend. Von den physikalischen Eigenschaften und von den Einsatzgebieten sind die Tongesteine des Unteren Buntsandstein mit denen des Mittleren Buntsandstein vergleichbar.

Unterer Buntsandstein/Eichsfeld (2007)
Unterer Buntsandstein/Eichsfeld (2007)
Unterer Buntsandstein/Raum Gera (2009)
Unterer Buntsandstein/Raum Gera (2009)
Ehemaliges Ziegelwerk/Raum Gera (2009)
Ehemaliges Ziegelwerk/Raum Gera (2009)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Unteren Buntsandstein:

Beesenlaublingen, Bilshausen, Caaschwitz, Duderstadt-I (Bernhard), Duderstadt-II (Jacobi), Eisenberg/Randhahn, Ferna, Gera/Aga, Gera/Cretzschwitz, Nordhausen, Neustadt, Pößneck, Peißen, Teistungen, Unterwellenborn, Rockendorf, Westerode, Westeregeln, Zwinge.

 Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Buntsandstein, ungegliedert:

Natrup-Hagen, Neuenkirchen/Limbergen, Osnabrück/Pye, Orpethal, Recke.