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Teil I: Känozoikum / Erdneuzeit

Die obersten Schichten der Erdkruste werden von der känozoischen Lockergesteinsdecke gebildet. Neben Kiesen und Sanden umfasst dieser Schichtkomplex vor allem die leicht zugänglichen und plastisch verformbaren Sedimente wie quartäre Lehme und Beckentone. Aber auch die wichtigsten Tonlagerstätten Deutschlands wurden im Känozoikum gebildet. Etwa die neogenen Tone der Oberpfalz, die paläogenen Kaoline und Tone Sachsens oder die Tone des Westerwaldes.

Quartäre Lockergesteine/Westerwald (2015)
Quartäre Lockergesteine/Westerwald (2015)
Miozäne Flaschentone/Niederlausitz (2009)
Miozäne Flaschentone/Niederlausitz (2009)
Eozäne Luckenauer Tone/Revier Halle-Leipzig (2012)
Eozäne Luckenauer Tone/Revier Halle-Leipzig (2012)
 

Quartär (Rezent - vor 2,6 Mio. J.)

Quartärzeitliche Ziegelrohstoffe sind flächendeckend über ganz Deutschland verbreitet. Sie sind durch inhomogenen Kornaufbau und deutliche Gehalte an innerkristallin quellfähigen Tonmineralen charakterisiert. Aufgrund der damit verbundenen Begrenzungen ist die Bedeutung dieser Rohstoffe in den letzten Jahren zurückgegangen. Dennoch stellen sie für eine ganze Reihe von Ziegelwerken eine wichtige Rohstoffquelle dar. Vor allem in Nord- und in Süddeutschland.

Holozäne Marschtone (Typ 01)

Die geologisch jüngsten Ziegelrohstoffe sind holozäne Marschtone, die auch als Marschenklei oder Klei bezeichnet werden. Es handelt sich um entwässerte Wattschlicke. Marschtone treten vor allem an der Westküste von Schleswig Holstein und in der Marsch zwischen Ems, Weser und Elbe auf. Im Bereich der Küsten und Flussmündungen/Ästuare können sie erhebliche Verbreitung, allerdings bei geringen Mächtigkeiten von nur rund zwei Metern aufweisen.

Marschtone sind feinkörnige Sedimente mit Korngrößenmaxima im Schluffkornbereich. Dominantes Tonmineral ist Illit/Glimmer. Nennenswerte Gehalte an Smektit sorgen für eine gute Bildsamkeit, aber auch für hohe Trockenempfindlichkeit. Deutliche Anteile an feinkörnigem Quarz verleihen dem Material eine ausreichende Standfestigkeit. Marschtone werden seit jeher für die Verblender- und Klinkerproduktion verwendet.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte: 

Ahausen, Bingum, Ditzum, Drochtersen-I (Horwege), Drochtersen-II (Rusch), Elsfleth, Glückstadt, Jemgum-I (Reins), Jemgum-II (Reins), Hademarschen, Hude/Langenberg, Kirchweyhe, Pilsum, Tergast, Wischhafen, Freiburg/Elbe.

Holozäne Auelehme (Typ 02)

Als episodische Hochflutsedimente der Flussniederungen haben Auelehme vor allem in den Auen größerer Flüsse weitreichende Verbreitungsgebiete. Besonders in den Niederungen von Elbe, Havel, Rhein, Saale und Weser sind bedeutende Potenziale zu finden. Um 1930 existierten allein im Elbtal über 170 Ziegeleien. Die Mächtigkeiten liegen meist im Bereich von wenigen Metern.

Auelehme sind mehr oder weniger stark tonige Schluffe, mit wechselnden Gehalten an Feinsand und Kalk. Starke Schwankungen in der Korngrößenverteilung und in den keramtechnologischen Kennwerten sind typisch. Haupttonmineral ist Illit/Glimmer gefolgt von Chlorit und Mixed-Layer-Mineralen. Aufgrund der innerkristallin expansiven Tonminerale gelten Auelehme als trocknungsempfindlich. Sie bildeten viele Jahre die Rohstoffbasis für zahlreiche Werke.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte:

Aerzen, Barleben, Emmerich, Hasbergen/Weser, Hohengöhren, Lemke, Parey, Riesa, Stolzenau, Tornitz, Weideroda, Wellie, Weyhe.

Pleistozäne Lößlehme (Typ 03)

Durch Verwitterung und Entkalkung von äolisch abgelagertem Löß entstehen Lößlehme. Sie sind vom Alpenvorland bis nördlich der Mittelgebirgsschwelle anzutreffen. In Baden-Württemberg erfolgt der Abbau vor allem in der Region Rhein-Neckar-Odenwald sowie im Neckarbecken. Auch in Bayern bilden Lößlehme die Rohstoffbasis vieler Ziegelwerke. Hauptgebiete sind Mainfranken, sowie die Schotterterrassen der Flüsse des Alpenvorlandes und Bereiche des tertiären Hügellandes. Vorkommen finden sich auch im rheinhessischen Hügelland, in der Wetterau sowie in der niederhessischen Senke. Als Deckschicht mesozoischer Tone wird Lößlehm vielfach mit verziegelt. 

Von der Korngrößenverteilung sind Lößlehme als tonige und schwach feinsandige Schluffe anzusprechen. Sie weisen leicht- bis mittelplastische Eigenschaften auf. Bei hohen Gehalten an freiem Quarz stellen Illit/Glimmer und quellfähige Wechsellagerungsminerale die dominanten Tonminerale dar. Für die Herstellung hochwertiger Ziegel müssen Lößlehme mit plastischen Tonen versetzt werden. Aufgrund des hohen Quarzgehaltes sind sie kühlrissgefährdet. In tieferen Lagen können störende Kalkkonkretionen/Lößkindel auftreten.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte:

Alzenau, Autenried, Bensheim, Borchen/Alfen, Burgau, Breinum, Burgtonna, Chemnitz/Rottluff, Creuzburg, Crimmitschau, Dorfen, Finningen, Frankfurt/Zeilsheim, Fürstenzell, Gelnhausen/Meerholz, Gera/Debschwitz, Goldbach, Gotha, Großenbehringen, Großengottern, Hartmannsdorf, Heppenheim, Heretsried, Heroldishausen, Hochheim, Hösbach, Höngeda, Huttisheim/Humlangen, Hüllhorst/Bröderhausen, Isen, Kahla, Klosterbeuren, Königsaue, Körner, Langenreichen, Langensalza, Laucha, Marklkofen, Marktheidenfeld, Mihla, Mühlheim/Kärlich, Neufahrn/Niederbayern, Nordhausen, Nottuln, Ober-Ramstadt, Oberbauerschaft, Obervorschütz, Rappelsdorf, Reinheim, Reuden, Rottenberg, Rottenburg/Laaber, Schenklengsfeld, Schmira, Schöllkrippen, Schönfeld, Schwabmünchen, Schwarzach, Straubing, Vatersdorf, Walldorf, Weida, Welden, Wenighösbach, Winnenden, Zeulenroda.

Pleistozäne Geschiebemergel (Typ 04)

Geschiebemergel sind glaziale Sedimente, die von den Gletschern des Inlandeises abgelagert wurden. Beim Abschmelzen der Gletscher erfolgte keine Sortierung der Korngrößen. Das weitgestufte Korngemisch besteht aus Ton und Sand mit variablen Anteilen an Schluff, Kies und Steinen/Blöcken. Entkalkte Geschiebemergel werden als Geschiebelehme bezeichnet. Geschiebemergel und Lehme haben heute nur noch eine geringe Bedeutung für die Ziegelindustrie. Früher waren es wichtige Rohstoffe für Verblender und Klinker. Sie treten in den ehemals vergletscherten Gebieten von Nord- und Süddeutschland auf.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte: 

Ahrensbök, Borchen/Alfen, Cloppenburg, Coesfeld, Stadtlohn, Delmenhorst, Hüllhorst/Bröderhausen, Kirchkimmen, Schneverdingen.

Pleistozäne Bändertone (Typ 05)

Glaziale Bändertone sind während der Kaltzeiten in strömungsarmen Eisstauseen am Rande des Eises abgelagert worden. Bändertone entstehen durch jahreszeitlich schwankende Wasser- und Sedimentzufuhr, wobei die helleren Lagen aus der Zeit der Eisschmelze im Sommer stammen. Hier wird relativ viel Material im Sandkornbereich sedimentiert. Die dunklen Lagen werden im Winter sedimentiert. Die Sedimentfracht ist deutlich geringer und feinkörniger als im Sommer und oft reich an organischen Stoffen.

Bändertonabbau in Brandenburg/Hoher Fläming (2011)
Bändertonabbau in Brandenburg/Hoher Fläming (2011)
Bändertonbasierte Produktion/Hoher Fläming (2011)
Bändertonbasierte Produktion/Hoher Fläming (2011)
Setzen der Trocknerwagen/Hoher Fläming (2011)
Setzen der Trocknerwagen/Hoher Fläming (2011)
 

Bändertone sind speziell in Brandenburg weit verbreitet. Sie wurden in zahlreichen Ziegeleien verarbeitet. Aufgrund ihrer Heterogenität, ihrer quellfähigen Anteile sowie ihrer Gehalte an organisch und anorganisch gebundenem Kohlenstoff gelten sie heute eher als problematisch. Sie müssen mit Zusatztonen optimiert werden. Zur Erhöhung der Bildsamkeit haben sich Westerwälder Tone, zur Optimierung des Trocknungs- und des Brennverhaltens haben sich kohlenstoffarme Schiefertone bewährt. In Dachziegelmassen muss der Versatzanteil in der Regel unter 50 MA % liegen.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte: 

Burgwall, Dargardt, Glienick, Glindow, Herzfelde, Lübeck, Lüneburg, Lützensömmern, Mildenberg, Niemegk, Ogrosen, Reetz, Rosengarten, Scharmbeck, Schleswig, Storkow, Streesow, Winsen/Luhe.

Pleistozäner Lauenburger Ton (Typ 06)

Lauenburger Ton ist der wichtigste pleistozäne Beckenton der Ziegelindustrie. Er hat sich in vom Inlandeis aufgeschürften Hohlformen am Ende der Elster Kaltzeit aus dem Schmelzwasser der Gletscher als Beckensediment abgesetzt. Das Verbreitungsgebiet verläuft von Ostfriesland über Bremen in einem breiten, mehrfach unterbrochenem Band bis nach Lauenburg an der Elbe. Die Mächtigkeiten können bis zu 30 Metern betragen, wobei der Lauenburger Ton zum Teil mit älteren Tonen glazial verschuppt ist. Die entkalkte Verwitterungsschicht wird als Bockhorner Ton bezeichnet und ist Basisrohstoff für den Bockhorner Klinker. Diese Schicht ist im Mittel nur ein bis zwei Meter mächtig.

Gewinnung von Lauenburger Ton/Oldenburger Land (2015)
Gewinnung von Lauenburger Ton/Oldenburger Land (2015)
Sumpfen der Betriebsmasse/Oldenburger Land (2015)
Sumpfen der Betriebsmasse/Oldenburger Land (2015)
Produktion von Handstrichziegeln/Oldenburger Land (2015)
Produktion von Handstrichziegeln/Oldenburger Land (2015)

Im Hinblick auf die Korngrößenverteilung handelt es sich um schluffige und schwach sandige Tone mit ausgeprägter Plastizität und hoher Bildsamkeit. Lauenburger Ton weist sehr hohe Gehalte an illitisch-smektitischen Tonmineralen auf und ist durch hohe Beimengungen an Karbonat und organisch gebundenem Kohlenstoff verunreinigt. Um einen optimalen Trocknungs- und Brennprozess zu gewährleisten, muss Lauenburger Ton stark abgemagert werden. Schamotte und feuerstandsfeste Schiefertone haben sich bewährt. Lauenburger Ton wird für die Produktion von Verblendern und Klinkern verwendet.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte:

Bockhorn, Borgstede, Bramloge, Bremen/Blumenthal, Eitze, Ekern, Grabstede, Hambergen, Hagen im Bremschen, Jeddeloh, Kirchkimmen, Kirchlinteln, Kirchweyhe, Laer, Neuenburg/Friesland, Neuschoo, Ottersberg, Querenstede, Rastede, Rettmer, Rütenbrock, Scharmbeck, Scharrel, Visselhövede, Wittmund.

Neogen (vor 2,6 – vor 23,0 Mio. J.)

Im Neogen wurden gewaltige Sedimentmassen abgelagert. Anfangs herrschte subtropisches Klima mit üppiger Vegetation. Erst am Ende setzte eine langsame aber stetige Abkühlung ein, die bis zu den pleistozänen Eiszeiten andauerte. Wichtige neogene Ziegelrohstoffe sind die Braunkohlen-Tone der Lausitz und der Oberpfalz sowie die Sedimente der Oberen Süßwassermolasse in Süddeutschland. Marine Glimmertone werden dagegen nur noch vereinzelt in der Ziegelindustrie eingesetzt.

Jungneogene-Tone (Typ 07)

Pliozäne Tone sind fluviatil-limnische Bildungen mit punktueller Verbreitung. Größere Bedeutung haben die kontinentalen Miozäntone, vor allem für die ostdeutsche und bayrische Ziegelindustrie. Sie wurden in flachen Becken und Rinnensystemen abgelagert. Schwerpunkte liegen in der Lausitz und im Urnaabtal der Oberfalz. Höhere Miozäntone der Lausitz werden nach ihrer ursprünglichen Verwendung für die Herstellung von Steinzeugflaschen auch als Flaschentone bezeichnet.

Größte Tonhalde Brandenburgs/Niederlausitz (2009)
Größte Tonhalde Brandenburgs/Niederlausitz (2009)
Bahnverladung von Flaschenton/Niederlausitz (2009)
Bahnverladung von Flaschenton/Niederlausitz (2009)
Probenahme für FuE-Vorhaben/Niederlausitz (2009)
Probenahme für FuE-Vorhaben/Niederlausitz (2009)

Die miozänen Braunkohlen-Tone weisen hohe Tonanteile und ausgeprägt plastische Eigenschaften auf. Dominantes Tonmineral ist Fireclay vor Illit und geringen Anteilen Smektit. Sie haben eine hohe Feuerstandsfestigkeit und werden vor allem bei der Herstellung von Klinkern und Steinzeugröhren eingesetzt. Infolge unsauberer Gewinnung können Beimengungen von Kohle problematisch sein. Untermiozäner Bitterfelder Spezialton tritt im Süden Sachsen-Anhalts und in Nordwestsachsen auf. Als Nebenprodukt des ehemaligen Braunkohletagebaus Golpa Nord wird er heute von der Tonhalde Jüdenberg in die Mauerziegelindustrie geliefert.

Paläogeographie im Miozän / Quelle: Meschede (2015)
Paläogeographie im Miozän / Quelle: Meschede (2015)

Wichtige Rohstoffe sind die älteren Miozäntone des Urnaabtals und der Hengersberger Bucht. Neben dem Einsatz für die Feuerfest- und Fliesenindustrie werden sie für Mauerziegel, Kaminrohre, Klinker, Klinkerriemchen und Dachziegel verwendet. Insbesondere Ziegelmassen auf Basis von Lößlehmen werden mit diesen Tonen aufgewertet.

 Durch Verwitterung und fluviatil-limnische Umlagerung devonischer Kaoline ist im unteren Miozän hochwertiger Witterschlicker Blauton entstanden. Der Ton ist sehr feinkörnig und hochplastisch. Verwendung im Bereich Feuerfest und Brunnenbau.

Historisches Dachziegelwerk/Oberpfalz (1924)
Historisches Dachziegelwerk/Oberpfalz (1924)
Anfänge maschinellen Abbaus/Oberpfalz (um 1950)
Anfänge maschinellen Abbaus/Oberpfalz (um 1950)
Dumpereinsatz im Miozän/Oberfalz (2004)
Dumpereinsatz im Miozän/Oberfalz (2004)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Pliozän: 

Brüggen, Fredelsloh, Hainburg/Hainstadt, Mainflingen, Wabern/Zennern, Willershausen.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Ober-Miozän: 

Bergheide, Crinitz, Großräschen, Lauchhammer, Lichterfeld, Klettwitz, Nochten, Plessa, Hohenleipisch, Plieskendorf, Schwarze Pumpe, Sallgast, Welzow.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Unter-Miozän: 

Alfter/Witterschlick, Auhofweiher, Bad Homburg (Heilton), Bogen, Gräfenhainichen/Jüdenberg, Hengersberg, Ponholz, Remsfeld, Schwandorf/Klardorf, Schwarzenfeld, Stulln, Teublitz, Weiherdorf, Zeitlarn.

Marine Miozän-Tone (Typ 08)

Im Miozän transgredierte die Nordsee über Teile Nordwestdeutschlands. Insbesondere in der Reinbekstufe haben sich glimmerreiche Tone gebildet, die zur Herstellung von Mauerziegeln eingesetzt wurden. Bis zu 50 Meter mächtige Glimmertone wurden im Raum Bocholt abgelagert. Die Tone sind tonmineralogisch uneinheitlich zusammengesetzt und unterliegen je nach Region großen qualitativen Schwankungen. Typisch sind hohe Anteile an Feinkorn und organischem Kohlenstoff.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte:

Ahausen, Harsefeld, Jesteburg, Gnarrenburg, Kirchgellersen, Neuenkirchen, Obervorschütz, Ohrte, Tostedt, Twistringen, Scheeßel, Sittensen, Sottrum, Trittau, Walsrode

Molassesedimente (Typ 09)

In der Endphase der Alpenentstehung bildete sich an der nördlichen Alpenfront eine große Vorlandsenke, in der insgesamt bis zu 4000 Meter mächtige Molassesedimente zum Absatz kamen. Der jüngste, der insgesamt vier Molassekomplexe ist die Obere Süßwassermolasse, die vom mittleren bis jüngeren Miozän entstand. Flüsse verfrachteten große Mengen an Erosionsmaterial aus den sich erhebenden Alpen in das Vorlandbecken. Im Beckeninneren kamen dabei feinkörnige Sedimente wie Tone, Tonmergel und Mergel zum Absatz. Diese, meist mittelplastischen Sedimente, stellen vor allem für Mauerziegelwerke in Süddeutschland einen wichtigen Grundrohstoff mit niedriger Scherbenrohdichte dar.

Verbreitung oligozäner bis miozäner Molassesedimente / Quelle: Meschede (2015)
Verbreitung oligozäner bis miozäner Molassesedimente / Quelle: Meschede (2015)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte in der Oberen Süßwassermolasse:

Aichach, Altenstadt/Untereichen, Aresing, Baindlkirch, Balzhausen, Bellenberg, Buch am Erlbach, Buttenwiesen, Dachau/Mitterndorf, Dachau/Webling, Ichenhausen, Hilgertshausen, Hörgersdorf, Hohenpolding, Klosterbeuren, Mengen, Michelbach, Neuburg/Donau, Neuburg/Ried, Neuötting, Oberbergkirchen, Oberbernbach, Offingen, Pförring, Puttenhausen, Tann, Vatersdorf, Wolfersdorf.

Paläogen (vor 23,0 – vor 66,0 Mio. J.)

Im Paläogen wurden die bedeutendsten Tonlagerstätten Deutschlands gebildet. Ursache hierfür waren subtropische bis tropische Klimate infolge einer globalen Erderwärmung, die in der Oberen Kreide einsetzte und sich über 70 Millionen Jahre fortsetzte. Auf dem Festland entstanden ab dem Eozän mächtige lateritische Verwitterungsdecken, die in Form reliktischer Kaolinisierung überliefert sind. Hochwertige Spezialtone werden unter Tage gewonnen: Der Engobeton von Eisenberg/Pfalz, der Glashafenton von Großalmerode/Hessen und der Bleistiftton von Klingenberg/Bayern (bis 2013). Für die Ziegelindustrie sind vor allem relevant:

Oligozäne Braunkohlen-Tone (Typ 10)

Im Oberen Oligozän herrschten kontinentale Bildungsbedingungen vor. Die Regression engte das Meer im Norden auf das Nordseebecken und im Süden auf die rheinische Furche ein. Auf dem Festland kam es in lokalen Senken, wie zum Beispiel in der Lausitz oder im Weißelsterbecken, zur Ablagerung von hochwertigen Tonen mit mittlerer bis extrem hoher Bildsamkeit. Vorherrschendes Tonmineral ist Fireclay. Die Tone werden für die Herstellung von Steinzeugröhren, Fassadenplatten, Dachziegeln und Mauerziegeln eingesetzt.

Lagerstätte auf Granodioritzersatz/Oberlausitz (2007)
Lagerstätte auf Granodioritzersatz/Oberlausitz (2007)
Selektiver Abbau von Kaolin und Ton/Oberlausitz (2007)
Selektiver Abbau von Kaolin und Ton/Oberlausitz (2007)
Die letzten 10 kg von 170.000 Tonnen/Oberlausitz (2007)
Die letzten 10 kg von 170.000 Tonnen/Oberlausitz (2007)

Im Mittleren Oligozän wurde im Weißelsterbecken Haselbacher Ton sedimentiert. Die Gewinnung erfolgte in der Zeit von 1963 bis 1972 im Zuge des Braunkohleabbaus. Haselbacher Ton wurde früher in fast allen Bereichen der Baukeramik eingesetzt, bevorzugt bei Mauerziegeln und Steinzeugröhren. Heute wird er als Versatzkomponente für Hintermauerziegel, Klinker und Fliesen verwendet. Begrenzungen ergeben sich aus der Pyritführung. Inhomogenitäten des Haldenaufbaus sind durch präventive Analysen zu kompensieren.

Begleitrohstoffgewinnung/Altenburger Land (um 1970)
Begleitrohstoffgewinnung/Altenburger Land (um 1970)
Größte Tonhalde Mitteleuropas/Altenburger Land (um 1985)
Größte Tonhalde Mitteleuropas/Altenburger Land (um 1985)
Technik aus der Vor-Wende-Zeit/Altenburger Land (2005)
Technik aus der Vor-Wende-Zeit/Altenburger Land (2005)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Ober-Oligozän:

Bad Schmiedeberg, Buchholz, Brandis, Dommitzsch, Großdubrau, Großsaubernitz, Guttau, Kamenz/Wiesa, Kodersdorf, Liebertwolkwitz, Machern, Mühlheim/Kärlich, Torgau, Wetro, Wurzen.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte im Mittel-Oligozän:

Gießen/Schiffenberger Forst, Schleehain, Haselbach

Oligozäne Rupeltone (Typ 11)

Im Unteren Oligozän sank Mitteldeutschland unter den Meeresspiegel. Der Höhepunkt der Transgression wurde im Mittleren Oligozän erreicht, wo temporär eine durchgehende Wasserverbindung von dem Nordmeer über das Oberrheingebiet bis hin zum alpinen Meer/Thetys bestand. Während der Rupelhaupttransgression waren weite Teile Deutschlands marines Sedimentationsgebiet. Hier bildete sich Rupelton, der früher die Rohstoffbasis zahlreicher Ziegeleien darstellte.

 Aufgrund charakteristischer Kalkkonkretionen wird er auch als Septarienton bezeichnet. Es handelt sich durchweg um einen hoch bildsamen Mergelton, der aber neben den störenden Septarien oft noch hohe Schwefelkonzentrationen in Form von Pyrit/Markasit und/oder Marienglas/Gips enthält. Vielfach störend sind auch hohe Anteile an organischem Kohlenstoff und innerkristallin expansive Tonminerale. Faziesindikator für marines Milieu ist grüner Glaukonit.

Paläogeographie im Oligozän / Quelle: Meschede (2015)
Paläogeographie im Oligozän / Quelle: Meschede (2015)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte:

Alzey, Bad Freienwalde, Bentheim, Bitterfeld, Bocholt, Breitscheid, Bünde, Dinslaken, Frankfurt/Offenbach, Halle, Helmstedt, Joachimsthal, Köthen, Leitzkau, Lemke, Lintfort, Malliß, Malsch, Möckern, Mühlheim, Rauenberg/Unterfeld, Ratingen, Schermbeck, Uelsen, Vechta, Vehlitz, Welsow, Wiesloch/Dämmelwald.

Kontinentale Altpaläogen-Kaoline/Tone (Typ 12)

Im Eozän war Mitteleuropa ein Festlandsgebiet mit großen Sümpfen und tropischen Regenwäldern, ähnlich dem heutigen Brasilien. In tropischem Klima erfolgte über Jahrmillionen eine tiefgründige Verwitterung des Untergrundes in deren Folge sich zunächst primäre Kaolinlagerstätten mit meist wannenartiger Struktur bildeten. Ausgangsgesteine waren die paläozoischen Mittelgebirgsrümpfe mit Gesteinen wie Granit, Granodiorit, Tonschiefer, Porphyr, Grauwacke, aber auch mesozoische Arkosen des Buntsandstein. Eine der größten Kaolinlagerstätten liegt im Raum Caminau in der Oberlausitz. Ebenfalls sehr bedeutende Vorkommen liegen im Revier Hirschau-Schnaittenbach. Kleinere Vorkommen im Raum Tirschenreuth und Waldershof.

Größte Kaolinlagerstätte Ostdeutschlands/Oberlausitz (2013)
Größte Kaolinlagerstätte Ostdeutschlands/Oberlausitz (2013)
Rohkaolin entstanden aus Granodiorit/Oberlausitz (2013)
Rohkaolin entstanden aus Granodiorit/Oberlausitz (2013)
Kaolinwäsche und Nassaufbereitung/Oberlausitz (2013)
Kaolinwäsche und Nassaufbereitung/Oberlausitz (2013)

Infolge tektonischer Hebung wurden die Kaolinkrusten weitgehend abgetragen und mit innerkontinentalen Flüssen abtransportiert. Durch Sedimentation in flacheren Bereichen wie zum Beispiel Ästuaren, Deltas und Seen haben sich sekundäre Kaolintonlagerstätten gebildet. Die Lagerstätten bilden Linsen oder auch weitaushaltende Schichten variabler Mächtigkeit. Hochwertige Kaoline und Tone treten am Fuß der Sächsisch-Thüringischen Mittelgebirge auf.

Zentrale Aufbereitungsanlage/Raum Halle-Leipzig (2012)
Zentrale Aufbereitungsanlage/Raum Halle-Leipzig (2012)
Zerkleinerung im Walzenbrecher/Raum Halle-Leipzig (2012)
Zerkleinerung im Walzenbrecher/Raum Halle-Leipzig (2012)
Tonmischungen für Fliesenwerke/Raum Halle-Leipzig (2013)
Tonmischungen für Fliesenwerke/Raum Halle-Leipzig (2013)

Besondere Bedingungen führen zur Entstehung weißbrennender Tone. Eisen- und titanarme Ausgangsgesteine sind Voraussetzung. Bei der Umlagerung und Ablagerung dürfen keine anderen Sedimente eingetragen werden. Dies setzt kurze Transportwege und kleine Sedimentationsbecken voraus. Damit Eisen in Lösung gehalten wird und nicht ins Sediment gelangt, muss die Ablagerung im sauren/reduzierenden Milieu erfolgen. Solche Bedingungen sind meist in Sümpfen und Mooren gegeben. Mitteleuropas größte Lagerstätte für weißbrennenden Ton befindet sich in Roßbach im Revier Halle-Leipzig.

Paläogeographie im Eozän / Quelle: Meschede (2015)
Paläogeographie im Eozän / Quelle: Meschede (2015)

 Ebenfalls besondere Bildungsbedingungen haben im Mainzer Becken den Eisenberger Engobeton entstehen lassen, der sowohl Untertage (Grube Abendtal) als auch im Tagesaufschluss (Grube Doris) gewonnen wird. Feinteilige eisenreiche Glimmer der marinen Glaukonit-Seladonit-Fazies sind Grund für die einzigartige rotglänzende Brennfarbe des Tons.

Glaukonitisch-seladonitischer Ton/Eisenberg-Pfalz (2009)
Glaukonitisch-seladonitischer Ton/Eisenberg-Pfalz (2009)
Walzenbrecher zur Zerkleinerung/Eisenberg-Pfalz (2009)
Walzenbrecher zur Zerkleinerung/Eisenberg-Pfalz (2009)
Mischanlage und Tonvorratsboxen/Eisenberg-Pfalz (2009)
Mischanlage und Tonvorratsboxen/Eisenberg-Pfalz (2009)

Lokalitäten/Ziegeleistandorte: 

Caminau, Eisenberg/Pfalz, Etzdorf, Frohnsdorf, Gerlebok, Grana, Gröppendorf/Kemmlitz, Großalmerode, Homberg/Lembach, Möderau, Ockrilla, Profen, Roßbach, Röblingen, Salzmünde, Seilitz, Spergau, Tirschenreuth, Waldershof.

Marine Altpaläogen-Tone (Typ 13)

Unter marinen Bedingungen wurden im Eozän Tone mit hohen Gehalten an expansiven Dreischichtsilikaten gebildet. Eine bedeutende Lagerstätte stellt der Friedländer Blauton in Mecklenburg-Vorpommern dar. Er wurde vor allem für die Herstellung rotbrennender Laborfliesen eingesetzt. Der Ton ist durch eine hohe Druckfestigkeit, aber auch durch eine extrem hohe Trockenriss- und Aufheizempfindlichkeit gekennzeichnet. Weitere Vorkommen haben sich zwischen Weser und Ems gebildet. Sie wurden für die Herstellung von Mauerziegeln eingesetzt. Die Lamstedter Tone werden für die Blähtonherstellung genutzt.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte:

Döthen, Friedland/MV, Haselünne, Lamstedt, Scharrel, Steinfeld/Damme.

Westerwälder Tone (Typ 14)

Westerwälder Tone sind vom Eozän bis Miozän durch lateritische Verwitterung von devonischen Tonschiefern entstanden, wobei die Kaolinisierung aus der Transformation der enthaltenen Chlorite resultiert. Nach der tiefgreifenden Kaolinisierung wurde der größte Teil der Primärvorkommen durch Flußsysteme erodiert und in mehreren von einander getrennten Mulden abgelagert. Die Tone des Westerwaldes verdanken ihre Erhaltung vor allem dem Erosionsschutz durch überlagernde Basalte, aber auch lokalen tektonischen Grabenstrukturen. Maximale Mächtigkeiten liegen bei rund 80 Metern.

Eisenreicher goethitischer Ton/Westerwald (2014)
Eisenreicher goethitischer Ton/Westerwald (2014)
Tonspiegel/Planparallele Einregelung/Westerwald (2014)
Tonspiegel/Planparallele Einregelung/Westerwald (2014)
Gewinnung der Überlagerungsschicht/Westerwald (2014)
Gewinnung der Überlagerungsschicht/Westerwald (2014)
Angelieferte Fertigmischung/Magdeburger Börde (2014)
Angelieferte Fertigmischung/Magdeburger Börde (2014)
Vakuumierung des Tonstrangs/Magdeburger Börde (2014)
Vakuumierung des Tonstrangs/Magdeburger Börde (2014)
Produktion auf höchstem Niveau/Magdeburger Börde (2014)
Produktion auf höchstem Niveau/Magdeburger Börde (2014)

In der Ziegelindustrie werden Westerwälder Tone vor allem wegen ihrer hohen Bildsamkeit und Feuerstandsfestigkeit sowie ihrer Brennfarbe eingesetzt, die je nach Tonsorte von weiß/hell über gelb bis rot variiert. Bei Feinstkorngehalten von bis zu 80 MA % ist die Tonmineralparagenese meist kaolinitisch oder illitisch-kaolinitisch. In Dachziegelmassen kommen vor allem rotbrennende Qualitäten zum Einsatz. In weiß/hellbrennenden und gelbbrennenden Klinkermassen sind Westerwälder Tone als Grundrohstoffe oftmals unverzichtbar. Der Trend geht zu Fertigmischungen.

Lokalitäten/Ziegeleistandorte: 

Bannberscheid, Beselich, Boden, Ebernhahn, Girod, Goddert, Hahnstätten, Herborn/Schönbach, Herschbach/Wahnscheid, Herrenstruth, Leuterod, Mengerskirchen, Meudt, Mogendorf, Moschheim, Nentershausen, Ransbach-Baumbach, Ruppach/Goldhausen, Salz, Siershahn, Staudt, Wallmerod, Weroth, Wirges.