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Die Ziegelindustrie im Spiegel der Erdgeschichte

Vor 100 Jahren gab es über 5.500 Ziegeleien in Deutschland. Heute sind es noch 115. Viele Unternehmen sind für immer vom Markt verschwunden. Der hohe Innovations- und Kostendruck spiegelt sich in einem modifizierten Nutzungspotenzial der Rohstoffbasis wider. Abbaurestriktionen stellen die Ziegelwerke vor existenzielle Herausforderungen.

Im Jahr 2018 hat die Deutsche Ziegelindustrie 11,3 Millionen Tonnen Ton gefördert. Während über Jahrtausende nur lokale Lockergesteine wie Marschtone und Auelehme verziegelt wurden, hat sich diese Situation im Laufe der Zeit grundlegend gewandelt. Der Monoversatz ist schon lange Geschichte. Komplexe Massen mit extern zugefahrenen Zusatztonen sind Standard.

Ab dem späten 19. Jahrhundert war ein Großteil der lokalen Ziegeltone weitgehend abgebaut. Jetzt war man gezwungen, die tieferen und geologisch verfestigten Schichten in Angriff  zu nehmen. Etwa teilplastische Schiefertone aus dem Mesozoikum. Ein schmerzhafter Wandel, der aber mit der Entwicklung der Aufbereitungsmaschinen möglich wurde. Heute ist es das langjährige Erfolgsmodell der deutschen Klinker- und Dachziegelwerke.

Die Verwendung unplastischer Tonschiefer aus dem Paläozoikum war noch bis vor kurzer Zeit undenkbar. Erst das Vorbrechen auf geeignete Lieferkörnungen und die Möglichkeiten der modernen Trockenvermahlung erschließen dieses Tonpotenzial für die Ziegelindustrie. Und eine bedeutende Menge an Leftover-Materialien wie Filterkuchen und Gesteinsfüller kommen aus dem Paläozoikum. Ein Trend, der die Zukunft bestimmen wird.